пятница, 20 декабря 2013 г.

Vom Beschimpfen und vom Zitieren

Zufällig erblickte ich irgendwo irgendwelche Anmerkungen zu einem Film oder sowat mit dem Titel "Fuck you, Goethe". Ich hab nicht so genau hingeschaut; irgendwie wirr und unappetitlich; aber offenbar ging es doch um den Johann Wolfgang.

Wobei es ja eigentlich egal ist, ob man ihn, den Johann Wolfgang, unverstanden gedankenlos beschimpft oder unverstanden gedankenlos zitiert. Das heißt, das Beschimpfen find ich irgendwie noch ehrlicher (wenn ich an den Unsinn denke, der sich am Gymnasium um den Namen Goethe rankte, ist mir auch nach Beschimpfen zumute; bloß hab ich ihn dann später auch in eigener Regie gelesen, und da wirkte er ganz anders).

Vermutlich würden viele, wenn sie ihn aufmerksam lesen und verstehen würden, ihn nicht beschimpfen.

Wieauch viele, die ihn zitieren, ihn im Verständnisfalle vermutlich nicht zitieren würden: sei es, daß seine in den vertrauten Alltagsbrei nicht reinpassende Denkweise sie abstößt, sei es, daß sie durch ihn angeregt werden, das Zitieren sein zu lassen und stattdessen selber zu sprechen.

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суббота, 14 декабря 2013 г.

Von weiten und verengten Horizonten

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Wenn ich jemanden treffe, der einen weiteren Horizont hat als ich, so freu ich mich darüber.

Denn weiter Horizont steckt an.

Und ich weiß auch, daß er mich, der ich keinen solch weiten Horizont habe, nicht abwertet: weilnämlich Menschen mit weitem Horizont nicht mit den Kriterien "besser" und "schlechter" herumoperieren: sie sind einfach so, wie sie sind, und nehmen die andern so, wie sie sind.

***

Und wenn ich jemanden treffe, der krampfhaft so tut, als habe er einen weiteren Horizont als ich und alle ringsum, so find ich ihn einfach bloß komisch.

Denn ehrgeiziger Krampf ist komisch.

Und da ich weiß, daß er, der sich aufgrund irgendwelcher dumpfer Kriterien allen überlegen wähnt, in seiner krampfhaften Pose mich und all die andern ringsum, die jenen dumpfen Kriterien nicht entsprechen, verachtet – wirkt er umso komischer.

Neid iss mir fremd. Und selbst wenn ich dazu fähig wäre – was soll man so'n armes Würstchen auch noch beneiden….

***

So isses

воскресенье, 1 декабря 2013 г.

Aufräumarbeiten

Ruin

Trümmerfelder sichten, Entwicklungsfähiges herausklauben, Abgestorbenes beiseiteschieben ist ein recht mühsames und nicht sehr erhebendes Unterfangen.

Wenn man dann einigermaßen die Übersicht hat – fühlt man sich erleichtert; ganz egal, wie wenig von einem zertrümmerten hoffnungsvollen Beginnen noch übrigblieb.

Wenig, aber dafür real: man kann damit – zumindest ein Stückweit – arbeiten.

Eine Erfahrung, die in unseren absurditätsgeschwängerten redefreudigen und sozial zerrütteten Zeiten vermutlich viele machen.

So sie sie überhaupt machen, und nicht vollends durch Resignation oder materielles Elend gelähmt sind.

So isses.

пятница, 22 ноября 2013 г.

Zum privaten klamurkosophischen status quo

Натюрморт с табуреткой и свалившейся люстрой

Stilleben mit heruntergefallenem Lüster

Wenn ick aber so vollständig ehrlich sein soll, so komm ich nicht umhin einzugestehen, daß ich hochgradig resigniert bin. Die Sackgasse, in welche ein paar in der ersten Jahreshälfte angelaufene zügige Entwicklung versprechende Entwicklungslinien mich überraschend reinmanövrierten (skizzenhaft umrissen unter "Spiralisches"), lähmt mich. Ich weiß nicht, was tun. Und, was das Schlimmste ist – ich hab auch keine rechte Lust, was zu tun.

Aber ich muß was tun, da von meinem Tun auch andere abhängen.

Und auch die Espressovorräte sind grad eben zu Ende gegangen.

Die Espressovorräte werd ich heute nachmittag erneuern. Geld hab ich noch; für mich und meinen Espresso reicht es noch eine Weile (bloß kann ich niemanden mehr unterstützen).

Die Espressovorräte werd ich erneuern; und auch aus der Resignation werd ich mich herauswurschteln. Zum Steckenbleiben sind die Kraftreserven zu groß; und eben weil sie so groß sind würde ich es gar nicht schaffen, in einer Sackgasse zu verharren. Bleibt nix anderes übrig als: innere Lähmung mitsamt widrigen Umständen überwinden und weiter.

Und auch noch aus dem Grunde weiter, weil das Fortkommen anderer von mir abhängt.

Machen wir.

Auch wenn ich noch immer keine Ahnung habe: wie und in welche Richtung.

Aber ich hab schon schlimmeres erlebt.

Schreiben tu ich kaum noch; weder in Deutsch noch in Russisch. Höchstens mal kürzeres, aphoristisches. Und ab und zu sichte ich bereits Geschriebenes; korrigiere, arbeite aus, setze Links zu längst Geschriebenem, damit diejenigen, die das interessieren könnte, es finden.

Knipse und kümmere mich um meine Fotovorräte. Fotografieren ist nicht mein Metier; aber während dieser Monate der Resignation hab ich in Sachen Umgang mit dem Fotoapparat und dem Fotobearbeitungsprogramm einiges gelernt. Zum Fotografen wurde ich darüber nicht; aber ich kann das alles nun viel besser als vor dem Einmünden in jene Sackgasse.

Wozu immer auch das gut sein soll.

Beim Sichten alter Fotovorräte entdeck ich manchmal selbst an manchen völlig danebengegangenen Knipsresultaten, daß man noch was rausholen kann. Und hol's raus. Und erleb die verrücktesten Überraschungen.

Iss ja ähnlich, wie ich es mir manchmal beim Schreiben ergeht; nur daß ich beim Schreiben alles besser überblicke und bewußter ausgestalten kann: irgendwelche danebengegangene zufällig erhalten gebliebene Notizen oder spontane unsinnige Einfälle erwachen plötzlich zu überraschendem Leben.

Genauso wie auch diese völlig danebengegangene Situation irgendwann neues Leben aus sich heraussprießen lassen wird.

Geht nicht anders.

***

So isses.

***

Eben.

Nachbemerkung Dezember 2015

Dies schrieb ich vor zwei Jahren.

Nach Aufräumarbeiten also in dem Trümmerfeld einer zusammengekrachten Unternehmung und ohne recht zu verstehen, was nun weiter.

Würde sich heute eine Möglichkeit bieten, das Zusammengekrachte in der ursprünglichen Form wieder aufzugreifen und neu aufzubauen, so würde ich selbige Möglichkeit nicht berücksichtigen.

In der damals vorgesehenen Form würde das nicht mehr in die seitdem stark veränderte Weltlage reinpassen.

Wäre das damals in lebensfähiger Form zustande gekommen, so hätte man unter Berücksichtigung der wechselnden Weltlage Inhalt und Form weiterentwickeln können.

Was vor zweieinhalb Jahren Sinn hatte, wäre heute Unsinn.

Bis heute weiß ich nicht so recht, was tun. Nicht wegen vergangener Trümmerfelder, sondern allgemein. Geht vielen so; darunter auch solchen, die ausgelatschte Pfade vorziehen: danämlich auch die ausgelatschten Pfade zunehmend unbegehbar werden.

Immerhin hab ich heute viel mehr Kraft als noch vor zwei Jahren.

So isses.

Trash Symphony - Мусорная симфония

воскресенье, 17 ноября 2013 г.

Von Trümmerfelder hinterlassenden ungenutzten Chancen

 

kaputt

Es gibt Situationen mit starkem konstruktivem Potential, welche, wenn das Potential nicht genutzt wird, beim Auseinanderkrachen entsprechend starkes Chaos hinterlassen; und je stärker das ungenutzte Potential, umso schlimmer das Chaos.

Selbst war ich in den letzten zwanzig Jahren in mehrere solcher Katastrophen involviert, wo veranlagtes Potential bei entsprechendem sozialem Zusammenhalt  statt in Katastrophen sich in konstruktiver Aufbauarbeit hätte entfalten können.

Und hab das Vergnügen, ringsum immer wieder ähnliches zu beobachten.

Mir scheint das ganze Weltgeschehen durchsetzt von solchen Trümmerfeldern aus verpaßten Chancen. Konzentriertes Miteinander erlebt man fast nur noch bei den zerstörenden Kräften.

Selbst rapple mich immer wieder auf und stürz mich in sich ergebendes Neues; meine Energie ist ungebrochen; auch wenn ich mir außer neuen Trümmerfeldern kaum noch was erwarte….

So isses.

вторник, 12 ноября 2013 г.

Von gesunden Körpern und gesunden Geistern

 

Tora

Durch einen Zufall wurde ich vorhin auf einen älteren, vergessenen Facebook-Kommentar gestoßen, den ich vor gut einem Jahr zusammentippte; und ich erinnerte mich plötzlich, daß ebendieser Kommentar im Weiteren zu einer interessanten Entwicklung führte sowie mich in Kontakt brachte mit einigen Leuten, die in der im letzten Eintrag skizzierten Verlagssache eine entscheidende Rolle spielten.

Ende November 2012 war das.  Viel passiert seitdem…

Doch auch für sich genommen ist der Kommentar interessant; weswegen er, unter Ausmerzung der Tippfehler und leicht überarbeitet, hier wiedergegeben sei.

***

Der Kommentar ging ein auf eine Kritik des "unmenschlich, grausam und bösen" Umgangs mit dem – amputierten – lateinischen Satz "Mens sana in corpore sano"; meist übersetzt mit "ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper", oder, je nachdem, "in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist", oder noch mit irgendwelchen zusätzlichen Verzierungen.

Also:

Nicht nur unmenschlich, grausam und böse ist eine solche Sichtweise, sondern zu alledem unmenschlich dumm.

Solche verwechseln das Funktionieren ihres Körpers mit ihrem eigenen Funktionieren; genauso wie sie das Funktionieren der sie tragenden sozialen Strukturen mit eigenem erfolgreichem Agieren verwechseln. Wenn ihr Körper infolge Altersschwäche oder Krankheit nicht mehr funktioniert, oder wenn die tragenden sozialen Strukturen zerfallen oder sie ausscheiden, gucken solche ganz besonders blöd aus der Wäsche.

Übrigens wird jene Redensart von diesen Primitivlingen in amputierter, das ursprünglich Gemeinte praktisch in sein Gegenteil verkehrendem Sinn widergegeben.

Nämlich heißt es ursprünglich nicht "Mens sana in corpore sano", was zudem meist noch mit falscher logischer Akzentuierung in deutsch mit "In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist" wiedergegeben wird,

sondern:

Optandum est, ut sit mens sana in corpore sano; auf Deutsch gesagt: Es ist wünschenswert, daß ein gesunder Geist in einem gesunden Körper stecke. Oder, je nach Akzentuierung: Es ist wünschenswert, daß in einem gesunden Körper ein gesunder Geist stecke.

So isses

вторник, 8 октября 2013 г.

Spiraliges

(Всё возвращается на круги своя)

(Niedergeschrieben für diejenigen, die mit der skizzierten Entwicklung direkt oder indirekt in Berührung sind oder waren oder die sich aus sonstwelchen Gründen dafür interessieren.)

Wieder hat die Spirale eine ihrer Umdrehungen vollzogen; und wieder bin ich, um einiges klüger, dort angekommen, wo ich vor ein paar Jahren war….

Auf obigem Foto sieht man Elena, Jemal und Igor, während sie einen meiner Prosatexte aus dem Russischen ins Georgische übersetzen (Näheres erfährt man bei Bedarf durch Anklicken des Fotos). Das war im Januar 2010.

Derzeit sind die dreie damit beschäftigt, die Memoiren von КнигаGiwi Wepfchadse aus dem Georgischen ins Russische zu übersetzen. Giwi Wepfchadse arbeitete seinerzeit als Fernsehmoderator und durfte in seinem Beruf sowohl das sowjetische wieauch das postsowjetische Chaos moderierend begleiten.

In Georgisch erschien das Buch vor etwa zwei Jahren; ursprünglich war vorgesehen, es in der "Edition Ivata", oder, je nachdem, im "Ivata-Verlag" in Russisch und in Deutsch herauszubringen. Denn Ivata war vorgesehen für die Herausgabe qualitätsvoller interessanter Texte sowohl in Deutsch als auch in Russisch.

Bis dann vor sechs Wochen aus heiterem Himmel ein nicht mehr zu kontrollierende Chaos ausbrach. Aus diesem Chaos retten wir nun, so gut es geht, die russische Linie heraus (die Rettungsaktion ist noch nicht abgeschlossen); und die deutsche Linie bleibt auf der Strecke.

So daß jene Memoiren, wenn überhaupt, nur in Russisch erscheinen werden.

Kommen wir zurück zu jener biographischen Spirale.

Um sie halbwegs verständlich zu machen muß ich etwas weiter ausholen.

Also.

Geboren bin ich in Luxemburg und aufgewachsen im Luxemburgischen Dialekt. Letzteren beherrsche ich auch noch heute – obwohl kaum noch in Luxemburg anzutreffen – mehr oder weniger perfekt; aber letztendlich blieb er mir – mitsamt meiner Umgebung – fremd; so daß ich, wie ich das heute verstehe, praktisch ohne Muttersprache aufwuchs.

Wie fremd er mir war wurde mir erst im nachhinein bewußt.

Während der Gymnasiumzeit gab es ein unbestimmtes Suchen nach "meiner" Sprache. Im Gymnasium wurden die meisten Fächer in Französisch behandelt; so daß ich diese Sprache mehr oder weniger fließend beherrschte; und ich flüchtete mich denn erst mal ins Französisch. Aber es war irgendwie nicht das, was ich suchte.

Schließlich landete ich beim Hochdeutschen; eine fast natürliche Wahl, da Luxemburgisch – trotz starker Abweichungen und obwohl luxemburgische Patrioten das etwas anders sehen – praktisch Deutsch ist.

Später kam dann, in eigener Regie und rein im Selbststudium, Russisch hinzu. Im "Geist" (oder wie man das nennen mag) letzterer Sprache fühlte ich mich eigentlich sofort zu Hause; irgendwie war der mir vertraut; das Vertrautwerden mit dem Wortschatz und der Syntax entwickelte sich etwas langsamer; doch langsam oder nicht langsam – ab irgendwann war Russisch für mich, neben dem Deutschen, eine zweite Ersatzmuttersprache.

Diese Welt, in der ich keine Muttersprache hatte und in der ich mich nirgends richtig heimisch fühlen konnte, war mir äußerst fremd und unverständlich.

Da es schwierig war, mich aus meiner Orientierungslosigkeit heraus mit meiner alles recht verstehenden Umgebung zu verständigen, begann ich, schriftliche Selbstgespräche zu führen. Diese schriftlichen Selbstgespräche entwickelten sich dann weiter und spalteten sich im Zuge des Ausreifens auf in eine essayistische und eine belletristische Linie; und nach und nach wurde dieses und jenes auch veröffentlicht.

Mit schriftstellerischen Ambitionen hatte das nix zu tun; das waren einfach die Schwimmbewegungen, mit denen ich gegen das Absacken ankämpfte.

Wie dem auch sei: rein aus Gründen des geistig-seelischen Überlebens wurde sehr viel und immer mehr geschrieben.

Ein PDF mit Anmerkungen zu dieser schreiberischen Entwicklung kann, wen es interessiert, über dieses Link anschauen und/oder herunterladen.

Motto:

"Obwohl ich kein Schriftsteller bin (von Beruf bin ich Absurdologe und Nebelkundler) schreibe ich sehr viel; sogar ist diese ganze Schreiberei unablösbar verbunden mit meiner biographischen Entwicklung, alsda sie für mich ein Mittel ist, mich von dem ganzen Unsinn, in den ich hineingeboren und durch meine Erziehung immer tiefer hineingezogen wurde, innerlich abzusetzen; und nebenbei eröffnet sich der Seele ein Quell an Kraft und Erfrischung, wenn die allgegenwärtige Absurdität schreibend auf die Spitze getrieben wird."

Abgesehen von immer nur ganz kurz währenden Verirrungen in die irrige Meinung, ich sei "Schriftsteller" und müsse infolgedessen "richtig" veröffentlichen, scherte mich nicht um Kontaktaufnahme mit Zeitschriften oder Verlagen und betrachtete mein Schreiben rein als Privatsache: und zwar als meine eigene Privatsache sowie Privatsache derjenigen, die aus was für Gründen auch immer Wert darauf legen, es zu lesen und etwas damit anfangen können. An dieser Sichtweise hat sich bis heute nichts geändert.

Im gutbürgerlichen Sinne "richtige" Veröffentlichungen in sogenannten seriösen Publikationsorganen gab es erst – in meiner "zweiten Muttersprache" Russisch – nachdem es mich nach Rußland verschlagen hatte. Das ergab sich einfach so, ohne daß ich von mir aus etwas dazu getan hätte. Wichtig für meine Entwicklung war ein Artikel zu der westlichen Kulturpathologie, den ich für die Literturnaja Gaseta schrieb; da analysierte ich aus der russischen Vogelperspektive die Moräste, in denen ich vorher bis über die Ohren drinsteckte; und das Schreiben dieser Arbeit war für mich ein Schritt innerer Befreiung (in deutscher Übersetzung findet man das, unter dem Titel "Augenwischerei auf Vornehm", hier).

In der Zeit, da ich in Rußland lebte, schrieb ich hauptsächlich Publizistik; als es mich dann später nach Georgien verschlug war ich im Russischen bereits genügend beweglich, um auch Belletristik zu schreiben. Eben mit der Belletristik kam ich – in Deutsch wie in Russisch – durch meinen georgischen Freundeskreis erst richtig in Schwung.

Beim Scheiben russischer Belletristik muß ich mich stärker konzentrieren als im Deutschen; doch dafür werden russische Texte meist besser (was allerdings auch damit zu tun hat, daß das russischer "plastizierbarer" ist und mehr Nuancen bietet).

In Georgien war natürlich nur mein russisches Geschreibe von Belang; das deutsche lief so nebenher. In Russisch gab es Veröffentlichungen, gab es Lesungen; ja nu, es ergab sich für mich das Image des "Schriftstellers".

Aber irgendwie empfand ich das alles als recht unbefriedigend. Fühlte mich in einer Sackgasse. Spürte, daß ich auch die Linie meiner "ersten Ersatzmuttersprache" (Deutsch) stärker berücksichtigen sollte.

Es gab dann eine Phase, in der ich mich auch geographisch wieder häufiger in deutschsprachigen Gefilden aufhielt. Manche belletristische Texte schrieb ich parallel in Deutsch und Russisch; wobei beide Versionen sich gegenseitig befruchteten. Oder ich schrieb einen Text in Deutsch, anschließend eine verbesserte Version in Russisch; dann verbesserte ich das Ganze weiter in der deutschen Version; und so mehrfach hin und her. Allgemein gesagt; beide Sprachen kamen zu ihrem Recht.

An "richtiges" Veröffentlichen dachte ich während all dieser Schreiberei wenig bis gar nicht. Veröffentlichen tat ich hauptsächlich online und, wenn entsprechende Angebote kamen, in Antologien und Zeitschriften.

Dann kam ein Angebot von einem E-Book-Verlag.

Nach kurzem Zögern willigte ich ein und stellte zwei kurze Textsammlungen zusammen; eine in Deutsch, eine in Russisch.

So erschienen, als E-Books, die "Urwaldidyllen" und die "Идиллии в джунглях" (Anklicken nebenstehenden Titelbilds führt zu näherer Information).

Wie gut oder schlecht diese Urwaldidyllen sich verkauften – weiß ich bis heute nicht. Aber sie waren mal da. Wichtig war aber – daß dadurch meine Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit gelenkt wurde: mehr oder weniger "richtig" zu veröffentlichen.

Dadurch begann für meine Schreiberei eine ganz neue Entwicklungslinie.

***

Im Weiteren wurde ich dann selbst aktiv und bot einem Verlag an, die deutschen "Urwaldidyllen" als Druckversion herauszubringen.

Jener Verlag hatte sich aus einem Internetportal herausentwickelt, in welchem ich früher gelegentlich veröffentlichte (durch diese Veröffentlichungen wurde eine bestimmte Richtung in meiner Schreiberei verstärkt, die sich sonst vielleicht weniger entwickelt hätte); sogar gab es damals einen Anlauf, eine russische Filiale für das Portal zu schaffen (ein Beginnen, welches ich allerdings einstellen mußte, weil das beabsichtigte Niveau sich nicht halten ließ).

Mein Angebot wurde angenommen.

Ich arbeitete die betreffenden deutschen Texte noch einmal gründlich durch, und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Aber nicht allzusehr nahmen sie ihren Lauf. Das Buch erschien; doch irgendwie funktionierte das nicht ganz so, wie es meiner Ansicht nach hätte funktionieren können. Nicht einmal zu einer Vertragsunterzeichnung kam es. Man schickte mir den Vertrag; ich legte Wert darauf, Korrekturen einzubringen; man war einverstanden, daß ich Korrekturen einbringe; und nach einigem Hin und Her versandete das dann. Ob diese Urwaldidyllen sich gut verkaufen – keine Ahnung. Vermute, daß nicht; irgendwie paßt das Buch, wie mir anschließend auffiel, sowieso nicht so recht in deren Sortiment.

(Näheres zu diesen gedruckten Urwaldidyllen findet man durch Anklicken der Abbildung)

***

Während die Sache mit den Urwaldidyllen sich dahinzog, wurde ich von einem anderen Verlag kontaktiert. Ein ganz neuer Verlag war das und sichtlich aufstrebend (sieht tatsächlich so aus, als sei er im gutbürgerlichen Sinne "aufstrebend" und gehe, in ebenselbigem Sinne, seinen Weg; bloß ist das nicht mein Weg; näheres weiter unten). Einiges an der Art, wie das aufgezogen war, gefiel mir; und ich willigte ein, mich als Autor einzubringen. Schrieb bereits einen Lebenslauf, schickte ein paar Fotos; dachte daran, die russischen Urwaldidyllen dort rauszubringen; und sonst noch dieses und jenes.

Derweil schaute ich mir an, wie die Autoren sich in dem verlagseigenen Forum untereinander unterhielten; und das befremdete mich gar sehr. Was dort ablief charakterisierte ich für mich als "affektierten Aktionismus"; und es gefiel mir immer weniger. Das waren alles ganz nette Leute, die einfach einen Riesengefallen daran fanden, Schriftsteller zu sein oder zu werden; und was es sonst noch mit der Schreiberei für eine Bewandtnis haben könnte – interessierte sie nicht. Ein oder zweimal versuchte ich, mich in jenem Forum verständlich zu machen und steckte es dann auf.

Verstand, daß das nicht die Umgebung ist, in der ich veröffentlichen möchte, und zog meine Einwilligung schliesslich zurück.

Der Verlag geht, wie ich sehe, "seinen Weg"; und hätte ich mich damals nicht zurückgezogen, so hätte ich inzwischen vielleicht schon viele Bücher verkauft. Aber ich finde es trotzdem richtig, daß ich mich zurückzog, da ich keinen Wert darauf lege, unter Marktgeschrei "viele Bücher zu verkaufen".

Was ich generell von sowas halte, hab ich – nicht nur in Bezug auf jenen Verlag – allhier kurz skizziert)

***

Gemeinsam mit einem deutschen Bekannten verfiel ich dann auf den Gedanken, einen eigenen Verlag aufzuziehen, um freie Hand zu haben. Nicht für Leute, die Schriftsteller sein wollen, sondern für solche, die schreiben können, die sich über ihrem Schreiben entwickeln, die was zu sagen haben und das zu Sagende schreibend weiterentwickeln.

So wie das ganz früher war, in der guten alten Zeit.

Und parallel in Deutsch und in Russisch sollte es sein.

Das dümpelte dann so vor sich hin, ohne daß viel zustandegekommen wäre. Streng genommen passierte rein äußerlich, außer unbeholfenem Vortasten, rein gar nix; Bewegung war nur insofern vorhanden, als der Grundgedanke sich weiterentwickelte und deutlicher wurde.

***

Und dann – machte eine Verlegerin den Vorschlag, in ihrem bereits existierenden und gut funktionierenden Verlag eine eigene Edition aufzumachen, die, wenn sie zu Kräften gekommen ist, als eigenständiger Verlag herausgenommen werden soll, damit er in eigener Regie weitermacht.

Dies wurde sofort in Angriff genommen und funktionierte auf Anhieb ausgezeichnet.

Für den Anlauf gab ich nacheinander zwei Sammlungen eigener Texte heraus, eine in Deutsch, eine in Russisch; gleichzeitig begannen die Vorbereitungen für oben erwähnten Memoirenband und sonst noch einiges.

Die Startausgabe trug den Titel "Wie ich den König vom Pferd schubste" bzw. "Как я сшиб короля с коня"; nähere Information durch Anklicken der Abbildung.

Als diese Bücher erschienen, war die Sommerflaute bereits angebrochen; viel konnte da nicht laufen; und ich nutzte die Zeit, um verschiedene "Knotenpunkte" vorzubereiten (unter anderem im Sprachenportal), die dann nach der Sommerflaute miteinander kombiniert werden sollten.

Eigentlich war ich recht optimistisch.

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Es kam dann noch eine zusätzliche Linie mit mehreren Arbeitsschwerpunkten, die, wenn man sie konsequent weiterverfolgt hätte, sich für das ganze Beginnen zu einer wichtigen Stütze hätte entwickeln können; und selbst bei Nichtweiterverfolgen war bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits soviel Sinnvolles geleistet, daß die Früchte dieser Arbeit die Sache so oder so bereichert hätten.

Wenn nicht…

Ja nu; wir leben halt im Zeitalter der Absurdokratie.

Wenn nicht diese Arbeit in völlig absurder Weise ohne Verschulden der unmittelbar Beteiligten zu einem Zusammenbruch des gesamten Unternehmens geführt hätte.

Näher dazu auslassen möchte ich mich jetzt nicht. Die Hintergründe jener "zusätzlichen Linie" werden mir immer rätselhafter; ich versteh immer weniger und will auch gar nichts mehr verstehen, da es mich immer weniger interessiert und versuch nur, mich in dem plötzlich entstandenen Trümmerfeld zu orientieren. – Die Mechanismen hingegen, die zum Zusammenbruch führten, sind mir, bei aller Absurdität, inzwischen einigermaßen überschaubar; doch auch das nützt mir nix; ich weiß nur:

Als der Staub des Zusammenkrachens sich verzog fand ich mich mutterseelenallein in einem Trümmerfeld, in dem ich, eben mutterseelenallein, sehen mußte, was man noch gebrauchen kann und was nicht und ob man überhaupt noch was machen kann; und als dann wieder Menschen auftauchten, waren das die altvertrauten Gesichter aus meinem russischsprachigen Team.

***

Also, was solls: Betrachten wir es als einen Fingerzeig, lassen das Deutsche links liegen und beschränken uns wie eh und je auf das Russische.

И всё возвращается на круги своя

Den Verlag werden wir unter den Fittichen des in Moskau gegründeten und inzwischen in Montenegro beheimateten “Zentrums für Aussenseiterkunst” betreiben. Dadurch – wieauch durch verschiedenes damit zusammenhängendes – verfügen wir schon mal über ein weites Netz an internationalen Kontakten.

Gegründet haben wir ihn noch nicht.

Wie es mit den beiden bereits herausgegebenen Büchern aussieht – weiss ich nicht; kam bei all diesem Chaos noch nicht dazu, mich darum zu kümmern. Irgendwie werden wir sie wohl übernehmen müssen.

Seit jenem Zusammenbruch fühl ich mich wie gelähmt und komm nur in ganz kleinen Schritten weiter. Besonders motiviert bin ich nicht; wäre nicht die bereits laufende Arbeit in Tbilissi und würde nicht das Fortkommen einiger Leute vom Weiterführen dieser Arbeit abhängen – würde ich die Sache hinschmeissen.

Aber ich darf sie nicht hinschmeissen.

Also – weiter.

Manchmal kommt mir die Frage, ob denn jene im Ansatz steckengebliebene Arbeit, die letztendlich den Anstoß zum Chaos gab, unbedingt hatte sein müssen. Und diese Frage ist, natürlich, müßig. Hätte ich das alles im Voraus gewußt, so hätte ich mich nicht darauf eingelassen; iss klar. Aber ich konnte das ja nicht im Voraus wissen; das sah so aus, als könne es eine fruchtbare Ergänzung und Verstärkung des Gesamtbeginnens sein; und bei etwas gutem Willen hätte es das – meiner Überzeugung nach – auch werden können.

Hätte besagte Arbeit sich darauf beschränkt, nicht weitergeführt zu werden, so wären die bereits vorhandenen Früchte trotzdem eine Bereicherung gewesen. Fatal war bloss, daß durch sie das Chaos ausgelöst wurde, in dem ich mich dann plötzlich ganz alleine wiederfand und sehen musste, wie ich damit fertig werde.

Die Art, wie diese Arbeit dann das Chaos auslöste, war so absurd, daß selbst in meinen verrücktesten literarischen Phantasien mir sowas nimmer hätte einfallen können. Voraussehbar war das nicht; vermutlich wäre da selbst ein Nostradamus überfordert gewesen.

Über die Einzelheiten jener absurden Vorgänge möchte ich mich weiter nicht auslassen. Vielleicht sehr viel später, falls es sehr viel später noch interessant sein sollte.

Und nun versuchen wir denn, aus diesem Trümmerfeld das das noch Verwendbare herauszuklauben und, so gut es geht, noch was draus zu machen…

So isses

воскресенье, 29 сентября 2013 г.

Warum das Leben so lustig ist

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Irgendwann erreicht man im Zuge des Verarbeitens von Lebenserfahrung zu Lebensweisheit einen Punkt, ab dem man bei jedem Schritt weniger an vernünftige Reaktionen denkt, die darauf folgen könnten, sondern vielmehr an absurde Ausbrüche, die man dadurch hervorrufen kann.

Aber man kann sie, diese absurden Ausbrüche, ja gar nicht alle mit einkalkulieren, da ihre Möglichkeiten ins Unendliche reichen.

Man muß einfach zu jedem Moment auf unerwartete absurde Überraschungen gefaßt sein; eben das isses.

Und eben dies macht das Leben so interessant und lustig.

Wer aber, eingeigelt in naivem Glauben an irgendwelchen gesunden Menschenverstand, sich dadurch irre machen läßt und resigniert, ist selber schuld.

Denn wer nicht nur an gesunden Menschenverstand glaubt, sondern ihn walten läßt, der versteht es, absurde Reaktionen als Anregung zu nutzen zu noch absurderen Gedankenspielen und literarischen Exkursen; und so eine solche Reaktion – wie es oftmals zu geschehen pflegt – einen eingeschlagenen Weg zunichte macht – so führt das, wenn man es zu nehmen weiß, bloß dazu, daß man das Weitere noch interessanter gestaltet und lustiger als ursprünglich beabsichtigt.

Das Leben iss nu mal eine vielgestaltige und komische Angelegenheit.

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So isses

суббота, 15 июня 2013 г.

Warum ich so ungeistig bin

Das Bedürfnis, „ein höheres Leben, was aus meiner eigenen Tiefe aufsteigen will“ zu führen ist mir fremd. Ich will das gar nicht; und ich weiß daß, wenn ich es wollen würde, ich gar nicht weiter käme und höchstens irgendwelchen selbsternannten Gurus hinterherlaufen würde (schwer vorzustellen).

Mein höchsteigenes Bedürfnis ist: sich vor mir ausbreitende innere und äußere Hindernisse verstehend zu überwinden und mich zurechtzufinden: in allen sich allmählich in meinem höchst persönlichen Erleben abzeichnenden Richtungen und Dimensionen.

Ob irgendein „höheres Leben“ dabei ist – wird man sehen....

понедельник, 10 июня 2013 г.

… und Bremptschler schweigt…

Что-то запрещено

Tag für Tag schreib ich irgendwelches Zeugs; ernstes, weniger ernstes, unernstes, handschriftlich, in den Computer getippt, in Deutsch, in Russisch; wie es sich ergibt. Und auch in Facebook, welches, unter anderem, als ausgelagertes Notizbuch dient, tipp ich fast jeden Tag irgendwas rein.

Nur ebendiesen Blog hier hab ich fast vergessen.

Vielleicht nicht schlimm, daß ich ihn fast vergessen habe; aber trotzdem möchte ich ihn der Vergessenheit entreißen.

Mein gestriger Tag begann, glaub ich, mit Bremptschler. Nun; vielleicht hatte ich vorher auch schon was anderes bedacht und geschrieben; aber an Bremptschler kann ich mich erinnern.

Der entstand am frühen Morgen.

Seine Geburt begann damit, daß beim flüchtigen Sichten von Facebook mehr am Rande ein mich nicht betreffender Beitrag meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Jener Beitrag bestand zur Hauptsache aus einer Auflistung großer Namen; erinnere mich nur noch an Kerouac; aber insgesamt waren es sehr viele. Unübersehbar wollte der Verfasser zeigen, wieviel Klugheit er schon in sich eingesogen hat und wie klug er somit selber ist. Eine solch typische Erscheinung, daß es schon nicht mehr interessant ist; aber irgendwas Inspirierendes lebte in dieser Namensorgie; und dieses Inspirierende ließ mich nicht mehr los.

Ich begab mich dann in die Dusche; und auf dem kurzen Weg zur Dusche begann ich, einen namensstrotzenden Text zu komponieren; und wie ich dann schon in der Dusche war und eben den Hahn aufdrehen wollte, befand ich, daß ich der bereits ansatzweise geschaffenen Komposition doch aber nicht gestatten darf, sich einfach so im Nirwana aufzulösen.

Statt den Wasserhahn aufzudrehen, zog ich mich notdürftig wieder an und eilte in mein Arbeitszimmer, aufdaß ich mir die entsprechenden Notizen mache. Namen hatte ich noch keine; die ersetzte ich für den Anfang durch x, y, z.

Nach vollzogener Dusche tippte ich dann jene Notiz, sie während des Tippens bereits ausarbeitend, in den Computer; und für x, y, z ließ ich mir wohlklingende Namen einfallen. Damit habe ich keinerlei Probleme; und mit solchem Ernste widmete ich mich jener Arbeit, daß ich jeden Namen extra in Google auf Nichtexistenz überprüfte. Einzig dem Parmenides gestattete ich die Existenz; den hatte ich bewußt als real existiert habende Persönlichkeit eingefügt, damit die Sache einen soliden Bezugspunkt habe.

Als ich das alles geschrieben hatte, bat ich meinen Freund Ernst Tirckl-Wolff, besagtes Werk als seinen Statusbeitrag auf Facebook zu veröffentlichen.

Und siehe – es ward veröffentlicht.

Und heute tat ich es – damit auch in der Klamurke mal wieder wat läuft – in die Klamurke. Woselbst man es – so man hier klicket, bei Bedarf nachlesen kann.

Das iss doch nett; oder?

вторник, 5 февраля 2013 г.

Polaritäten

Kaffee

Vor kurzem entdeckte ich zufällig, daß bei bestimmtem Blickwinkel der Guru und der Politiker zueinander polar sind.

Was doch ganz außerordentlich interessant iss; nich? Für eine genaue Sichtung und Analyse des Seins, welches sich zwischen diesen beiden Polen herumtummelt, wäre ich zu faul; aber die Pole sind schon mal als solche entdeckt, und der Fortschritt ist einen Schritt weiter geschritten.

Schriftlich dargelegt habe ich das hier.

Sonja - verklBei der Gelegenheit fällt mir ein, daß ich vor Jahren nach einem Gespräch die Polarität zwischen Zauberkünstler und Stripperin entdeckte.

Was doch auch nicht ohne Bedeutung iss. Genauer untersucht habe ich das hierselbst.

Und wer weiß, was sich sonst noch für unentdeckte Polaritäten in unserem kosmischen Sein herumtummeln.

Alles in Allem:

Es gibt viel zu tun. Packen wir's an.

Kaffee

воскресенье, 6 января 2013 г.

Sam Si-Ha & Sami Otchi-Chuthi

Eingeweihtengruppe - копия

Vor ein paar Tagen wurde bei Facebook die Seite der Eingeweihtenkanzlei Sam Si-Ha & Sami Otchi-Chuthi aufgemacht.

Solches geschah als spontan eingetretene Spätfolge einer schon länger zurückliegenden Korrespondenz mit Balthasar Chrino (Name von der Redaktion geändert).

Damals hatten wir eine publizistische Klopperei mit der Anhängerschaft von irgend so 'nem Eingeweihten, der laut Wikipedia zwei Erleuchtungen absolviert hat und der, seinen Äußerungen, seinem Verhalten und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, sich durch hochgradigen Stumpfsinn auszeichnet. (Balthasar kloppt sich auch heute noch gelegentlich mit denen. Ich nicht, da sie mich zu wenig interessieren).

Damals sprach ich die Absicht aus, einen Gegeneingeweihten zu schaffen mit drei Erleuchtungen (da drei Erleuchtungen nach Adam Riese mehr sind als zwei Erleuchtungen). Balthasar fand die Idee gut; doch ließen wir das dann sein, da es zuviel Arbeit bedeutet hätte, und da auch ich selbst – dem der Großteil der texterischen Arbeit zugefallen wäre – an einer Klopperei zu wenig interessiert war.

Vor ein paar Tagen, als ich in der Küche saubermachte (manchmal tu ich das), fiel mir diese Episode wieder ein. Der Gedanke kam mir, mehr nebenbei und nicht um der Klopperei, sondern rein um des Plausches willen, tatsächlich eine solche Gestalt zu schaffen; aber ohne die Sache in Arbeit ausarten zu lassen.

Die erste Aufgabe hätte darin bestanden, einen lautmalerisch stimmigen Namen für diesen Eingeweihten zu komponieren. Wenn ich in Form bin hab ich mit solchen Dingen keine Probleme; aber ich war nicht in Form. In Verbindung mit den drei Erleuchtungen fiel mir das georgische Wort „sami“ ein, mit dem der georgische Sprachgeist die Zahl Drei bezeichnet. Klingt gut; aber noch zu wenig. Ein Nachname mußte her. Der ergab sich fast von selbst; und so entstand der dreifach erleuchtete Eingeweihte Sami Otchi-Chuthi; auf deutsch: Drei Vier-Fünf.

Ein paar Tage später berichtete ich Balthasar bei einer zufälligen Facebookmessenger-Unterhaltung von diesen Gedanken. Balthasar sagte mir, daß Drei Vier-Fünf auf thailändisch Sam Si-Ha heißt. Das fand ich ganz außerordentlich interessant; aber an eine Eingeweihtenkanzlei dachte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Doch der Gedanke, für diesen Otchi-Chuthi oder Sam Si-Ha eine Seite zu eröffnen, war geboren. Im Weiteren kam mir der Gedanke, daß ich ja noch ein Motto brauche; und zwar wollte ich hierfür einen möglichst banalen Satz in Thai und in Georgisch in den jeweiligen Schriften auf die Titelgraphik drauftun. Baltasar übersetzte mir den spontan hingeschriebenen Satz „Er stolperte und fiel in eine Pfütze“ ins Thailändische, und an kompetenten Übersetzern für die georgische Variante hätte kein Mangel bestanden.

Ich nahm mir vor, in den nächsten Tagen eine solche Eingeweihtenseite aufzumachen; doch gefiel mir das dann so gut, daß ich mich sofort drum kümmerte. Statt eines einzelnen Eingeweihten packte ich beide in eine Eingeweihtenkanzlei zusammen; das mit dem stolpernd in die Pfütze fallen prangt nun in echtem Thai geheimnisvoll auf der Brüstung zur Linken (für die georgische Variante ist leider kein Platz mehr; so daß ich niemanden damit behelligen muß).

Es war ein ereignisreicher Tag, der sicher in die Geschichte eingeht (das genaue Datum hab ich vergessen; aber geschichtliche Daten konnte ich mir schon in der Schule nicht merken).

So isses