четверг, 22 марта 2018 г.

Europäer wider Willen


Die Türme der einstmals verhassten Echternacher Basilika, wo ich – so lange halt, alsbis ich mich durch einen faulen Trick vom Religionsunterricht befreien konnte – jeden Mittwochmorgen als Gymnasiumschüler einem halbstündigen Gottesdienste beizuwohnen hatte (gemeinsam mit einem Mitschüler, der diese Kunst ebenfalls beherrschte, vertrieb ich mir die Zeit mit Blindschach; aber es war trotzdem lästig)


 Beim Herumsuchen in meinen Notizen stieß ich auf eine amüsante Aufzeichnung vom Juni 2014. Da sie, eben, im Gesamtkontext amüsant ist, sei sie im Blog veröffentlicht.
Der Gesamtkontext ist der, daß ich zu dem Moment in irgendwelchen Angelegenheiten einen Abstecher nach Luxemburg unternehmen sollte und extremen Widerwillen empfand gegen einen solchen Abstecher.


Ein interessantes Traumfragment:
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Sollte ans Gymnasium, mit dem ich eigentlich nix mehr zu tun habe; entschließ mich dann aber, ‚vielleicht‘ doch hinzugehen. Lockere Unentschlossenheit. Sollte um 2 Uhr dort oder an der Bushaltestelle sein oder wo auch immer; um Viertel vor zwei soll ich, wenn ich hin will, abmarschbereit sein; der „Entschluß“, ‚vielleicht‘ doch hinzugehen kam um halb zwei zustande; und da mußte ich noch in die Dusche.
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Erinnert mich an den realen Zustand meiner Endzeit am Echternacher Gymnasium. Da nahm ich das ernst und auch nicht ernst. Unser Lateinlehrer bezeichnete mich mal als eine Art Gastschüler; was besonders deutlich wurde, als ich mit Hilfe jenes Psychologen vom Religionsunterricht freikam und, während meine Klassenkameraden sich mit irgendwelchen Schwarzbekittelten abquälten, in einem kleinen wohleingerichteten Zimmer saß und Hausaufgaben machte oder was sonst auch immer.
Meine damalige Beziehung zum Gymnasium ist eine frühere Verkörperung meiner jetztigen Beziehung zu Luxemburg bzw. Europa als Ganzem.

So isses

вторник, 20 марта 2018 г.

Über das Rauchen und Nichtrauchen von Zigaretten

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Auf der Suche nach irgendwelchen Notizen stieß ich auf eine Aufzeichnung vom 5. Januar 2014. Schon eine Weile her.
Damals gelüstete es mich nach einer Zigarette; aber da ich offiziell das Rauchen aufgegeben hatte und nur noch in Gesellschaft geschnorrte Zigaretten rauchte,  hatte ich entsprechend auch keine solchen zur Hand .
Und ich erinnerte mich an die letzte selbstgekaufte Packung Zigaretten, die ich Ende März 2007 – schon sehr lange her – in Baku aufrauchte.
Und da der Eintrag so herrlich verrückt ist und weil ich in diesen Blog schon lange nix mehr eingetragen habe, sei er denn nunmehr hier veröffentlicht:


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Ich möchte rauchen. Eine Zigarette. Aber ich habe keine Zigarette. Ich könnte rausgehen mir welche kaufen. Aber ich will mir keine kaufen. Weil ich offiziell nämlich das Rauchen aufgegeben habe.

Schon lang hab ich keine Zigaretten mehr gekauft. Die letzte selbstgekaufte Packung Zigaretten rauchte ich, wenn ich mich nicht täusche, Ende März 2007 in Baku am Flughafen in irgendeiner Kantine gemeinsam mit einem Polizisten, dessen Namen ich vergessen habe.


Über Baku reiste ich damals ab Tbilissi Richtung Deutschland, um mir mal wieder die fast schon vergessene mitteleuropäische Geistesart zu Gemüte zu führen.


Ab Tbilissi fuhr ich in Begleitung von Inga zur Aserbaidschanischen Grenze, und von dort mit dem Bus die Nacht durch nach Baku zum Flughafen.


Den Flughafen erreichte ich frühmorgens, gab mein Gepäck auf und begann, herumzustreunen. Der Flug ging erst nach Mitternacht; zum Streunen war genügend Zeit. Am liebsten wäre ich durch die Stadt geschlendert; aber ich wußte noch nicht, wie man dorthin kommt.


Plötzlich wimmelte es auf dem Flughafengelände von Polizei. Obwohl meine Papiere meines Wissens in Ordnung waren, machte das mich nervös. Ich mag solches Uniformengewimmel nicht. Entschloss mich, bevor sie anfangen, Ausweise zu kontrollieren, zur Flucht nach vorn: ging auf eine Gruppe Uniformierter zu und fragte, wie man in die Stadt kommt.


Da ergab sich dann aber eine ganz lockere ungezwungene Unterhaltung. Das Polizeiaufgebot hatte mit dem Besuch eines polnischen Würdenträgers zu tun; war, scheint's, eben derjenige, der Jahre später vor Smolensk mit dem Flugzeug verunglückte. Einer von den Polizisten, Pascha, war von Beruf eigentlich Ingenieur. Als die Fabrik, in der er arbeitete, in den postsowjetischen Wirren dicht machte und er keine seiner Ausbildung entsprechende Arbeit mehr finden konnte, ging er zur Polizei. Ich erzählte von meinem Tiflisser Bekannten Irakli, der, eigentlich Atomphysiker, gleichfalls bei der Polizei gelandet war. Trotz des wissenschaftlich wie polizeilich höheren Rangs – bei der Polizei hatte Irakli den Rang eines Obersten – verwandtes postsowjetisches Schicksal.


Pascha hatte grad Dienstschluss und nahm mich mit runter in die Stadt; führte mich auch etwas herum (obiges Foto wurde von ihm geknipst). Er brachte mich dann wieder hoch zum Flughafen und stellte mich einem seiner Kollegen vor – ich hatte ihn kurz bei meiner 'Flucht nach vorn' gesprochen -, damit der mir nach Mitternacht helfe, meine Sachen aus der zu solch später Stunde geschlossenen Gepäckaufbewahrung herauszuholen. Also war es mir vergönnt, mich bis zum Einchecken unbelastet von störendem Gepäcke im Flughafen herumzubewegen.


Gemeinsam mit diesem Polizisten, dessen Namen ich vergessen habe, leerte ich dann später in der Kantine besagte letzte selbstgekaufte Zigarettenpackung.


Und über ein Jahr später, während des russisch-georgischen Krieges, gab ich Inga – die es in den Kriegswirren nach Baku verschlagen hatte – Paschas Telefonnummer durch. Besonders viel konnte er ihr nicht helfen; aber immerhin: da war jemand, an den sie sich wenden konnte. Selbst lebte ich damals in Odessa.


Und daß Inga während ihres kurzen aserbaidschanischen Exils sich an Pascha wenden konnte, geht denn auf das Karma jenes zu jener Zeit noch unter den Lebenden weilenden polnischen Würdenträgers.


Soviel zu der letzten selbstgekauften Packung Zigaretten.
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Im Laufe der seit jener Aufzeichnung verflossenen Jahre
fing ich dann irgendwann wieder an,
mir Zigaretten zu kaufen;
und bis zum heutigen Tage ist das so geblieben.

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So isses

 

вторник, 12 декабря 2017 г.

Prinzessin Susanne



Obiger in Odessa geknipster Kater
hat mit der hier behandelten Angelegenheit nichts zu tun;
aber das macht nichts

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Nachdem ich monatelang nur übersetzte,
langatmige g’scheite Sachen und kurzgefassten Blödsinn schrieb,
kümmere ich mich nun wieder um meine längeren Texte.
Im Nachfolgenden der Anfang der Skizze zu einer Erzählung
von der Prinzessin Susanne.
Veröffentlicht,
um mir selbst wieauch all denen, die es interessieren könnte,
durch die Tat zu beweisen, daß ich es ernst meine.

♣♣♣

Susanne war eine schöne Königstochter, der es im Schlosse ihres Vaters überhaupt nicht gefiel, und die – was ihr noch viel weniger gefiel – nach dem Tode ihres Vaters Königin werden sollte. 

Da es ihr vor dem dümmlichen Hofzeremoniell und den katzbuckelnden Dienern grauste, hielt sie sich so wenig als möglich im Schlosse auf, spazierte durch die Aue und Felder und Dörfer des Reiches und unterhielt sich mit den Leuten. Und kam zu dem Schlusse, daß man diesen Bauern und Müllern und Handwerkern nur helfen müsste, untereinander ihre Tätigkeiten abzustimmen und zu organisieren; daß man noch einen Verwaltungsapparat organisieren sollte, der dafür sorgt, daß die Abmachungen, die sie untereinander abschließen, auch eingehalten werden, und auch, daß sie sich gegenseitig nicht berauben oder umbringen; dann noch für den Betrieb des Verwaltungsapparats etwas Steuern erheben; und fertig. Und daß es dazu keines solch riesigen Schlosses bedarf mit dummem König und katzbuckelnden Dienern. 

Daß ihr Vater dumm war, hatte sie bemerkt; und sie vermutete, daß er nur deswegen verblödet ist, weil er nichts Rechtes zu tun hat und weil er von solch dummen Dienern umgeben ist. Vielleicht würde sie, wenn sie Königin ist, die katzbuckelnden Diener rauswerfen, damit sie draußen einer ehrlichen Arbeit nachgehen, würde für sich und ihre Familie im Schloss ein paar Räume übernehmen, und die übrigen Räume als Werkstätten, Markthallen, Herbergen zur Verfügung stellen? Und bis dahin sich überlegen, wie man mit geringer Organisation den Leuten ein normales Leben ermöglichen kann? Aber sicher würde man sie nicht lassen. Als Königin wird sie nur nach außen hin Macht haben, und in Wirklichkeit von dem in Traditionen eingemauerten Hofstaat am Gängelband geführt werden. Sie hoffte, daß sie sich rechtzeitig was ausdenken kann.

Eines Abends, als sie nach langem Spaziergang durch die Auen und Felder und Dörfer ins Schloss zurückkam, war dort alles hell erleuchtet und sehr feierlich. Und sie erfuhr, daß der Prinz Emil, der Thronfolger des benachbarten Königreiches, um ihre Hand angehalten hat, und daß ihr Vater zugesagt hat, da solcherart beide Königreiche zusammengelegt werden. 

Den Emil zu heiraten hatte sie nicht die geringste Lust. Der war noch dümmer als ihr Vater; und war ihr Vater möglicherweise durch sein Leben als König mit der Zeit verblödet, so war der Emil offensichtlich von Natur aus dumm. 

Und das allerschlimmste war: Schon im kommenden Monat sollen sie heiraten. Sie wird nun überhaupt keine Zeit mehr haben zum Nachdenken.

Am folgenden Tag ging sie gleich nach dem Frühstück hinaus in den Wald; und im Walde traf sie einen alten Mann, der sie fragte, warum sie so traurig ist. Sie erzählte ihm ihr Leid; und daß, weil das alles nun plötzlich so schnell geht, sie keine Zeit mehr hat, sich klar zu werden, was sie machen soll. Und auch flüchten kann sie nicht, da sie dauernd beobachtet wird und man sie nicht über die Grenzen des Reiches hinauslassen wird. 

Sie deutete auf zwei bewaffnete Reiter, die hinter ihr in hundert Schritt Entfernung warteten, und sie weinte sehr.

Der Alte sagte tröstend, es werde alles gut werden, und eilte davon.

Susanne wunderte sich, wie schnell dieser alte Mann laufen kann, und setzte, gefolgt von den beiden bewaffneten Reitern, ihren Weg fort.

Der alte Mann aber war kein alter Mann, sondern Ürdük, der König der Waldgeister. Er hatte von ihrem Unglück erfahren und wollte, als alter Mann verkleidet, aus ihrem eigenen Munde hören, was los ist. Ürdük fand, daß Susanne viel zu begabt ist, als daß man sie in einem langweiligen Königsschlosse an der Seite eines dummen Königs verkommen lassen dürfte, und hatte beschlossen, sie zu retten.



Geschrieben wurde schon viel mehr;
aber damit es nicht zu lang wird, brechen wir hier ab.
Iss ja sowieso alles erst im Skizzenstadium.

So isses.