вторник, 15 января 2019 г.

Lenin, Zwingli und Herumkraxeln auf luxemburgischen Dächern

  Eine Assoziationskette

 

Die Kirche jenes Ortes, in welchem aufzuwachsen mir beschieden war.
Geknipset bei einem Besuch dortselbst

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Beim Herumsuchen in älteren Aufzeichnungen stieß ich auf eine tagebuchähnliche Notiz, die zwar mit dem, was ich suchte, nix zu tun hatte, die aber trotzdem spontan mein Interesse weckte.
Ja. Nicht uninteressant.
Und so überführte ich denn die wirre Mischung aus Deutsch und Russisch in ein anständiges Deutsch und veröffentliche das nun in diesem halbvergessenen Blog.
Also:
♦♦♦ 

Vorm Aufstehen las ich in Solschenizyns "Oktober 16", wie Lenin frühmorgens durch Zürich spazierte. Orte wurden beschrieben, an denen ich auch selbst schon war und an die ich mich dunkel erinnerte…

Und dann erinnerte ich mich plötzlich an X, den von niemandem für voll genommenen Hilfsarbeiter, der anfangs im Dachdeckerbetrieb meines Vaters arbeitete, und später, als der Betrieb von der Firma XYZ übernommen wurde, weiterhin unter der Oberaufsicht meines Vaters bei ebenjener Firma XYZ.
Die Assoziationskette von Lenins Morgenspaziergang in Zürich bis hin zu dem Hilfsarbeiter X war folgende: 

Lenin steht in Zürich vor dem Zwingli-Denkmal und stellt irgendwelche Überlegungen an. 

Dabei erinnerte ich mich an ein paar Zeilen in einem Religionslehrbuch aus der Gymnasium-Zeit, wo der Name Zwingli in einer Auflistung katholizismusfeindlicher Bösewichter figurierte. Viel wusste ich nicht von ihm; aber irgendwann erwähnte ich ihn in einem Gespräch "zu Hause" bei meinen Eltern. In welchem Zusammenhang ich ihn erwähnte, weiß ich nicht mehr; möglicherweise mit einem gewissen sympathisierenden Unterton (da in diesen Jahren, wo mir der Katholizismus als Unterdrückungsfaktor bewusst wurde, so ziemlich alles sympathisch war, was sich mit ihm anlegte). 

Meine Eltern wussten auch nicht, wer Zwingli war, aber da er sich mit der bestehenden Macht angelegt hatte, wurde er achtlos beiseitegewischt. Und was sollte meine Eltern auch eine Ahnung haben, wer Zwingli war, da sie sich für restlos gar nichts interessierten, was außerhalb ihres engen Horizonts lag. 

Auch daß es mir dreckig geht und daß ich bei ihnen wie ein Fremder unter Fremden lebte verstanden sie nicht. 

Und dann erinnerte ich mich an X, den von niemandem ernstgenommenen Hilfsarbeiter. Zusammen mit dem kraxelte ich gut zehn Jahre nach jenem "Gespräch" über Zwingli, als gleichfalls von niemandem erstgenommener Hilfsarbeiter, auf luxemburgischen Dächern herum. Zwei oder drei Monate lang machte ich das. 

An ein Gespräch mit ihm erinnerte ich mich: Er meinte, ich müsse schleunigst mit dieser Arbeit aufhören und wieder mit Taubblinden arbeiten (vorher hatte ich mich zeitweise, nicht ohne Erfolg, in solcher Tätigkeit geübt und hatte ihm davon erzählt). Er merke, daß diese Arbeit auf den Dächern nicht das ist, was ich brauche und daß sie mich fertigmacht.

Er verstand das. Als einziger in meiner damaligen Umgebung. Er, mit dem ich mich nur die Woche über beim Herumkraxeln auf Dächern traf und mit dem ich sonst nix zu tun hatte. Man sagte von ihm, er sei dumm. 

Und nun dachte ich: was aus ihm wohl worden wäre, wenn er sich in einer entwicklungsfreundlicheren Umgebung hätte bewegen können? Ich konnte mich, allen Widerständen zum Trotz, bis zu einem gewissen Grad herauswurschteln. 

Er wohl kaum.

♣♣♣

So isses

 


четверг, 13 декабря 2018 г.

Vorgeburtliches Sein einer Zwiebeloper

Zwiebelguru mit Anhängern

Geknipset zu einer mehrere Jahre zurückliegenden Zeit,
als ich mit grosser Leidenschaft Zwiebeln fotografierte.

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Mit Jemal ergab sich ein interessantes Gespräch über meine Zwiebelfotos. 
Meine nicht ganz ernstgemeinten Fotos und meine nicht ganz ernst gemeinte Aussage, daß Zwiebeln sehr ausdrucksstarke Wesen sind, hat ihn irgendwie betroffen gemacht. 
Ich schlug ihm, mehr im Scherz, vor, daß wir einen Zwiebeloper-Film drehen: Eine Zwiebelgruppe zusammenstellen, Tag für Tag die Entwicklung ihres Wuchses fotografieren, eine Handlung hineinphantasieren, und die Fotos zusammenstellen zu einem Film mit Musik und Gesang. 
Dabei fiel mir ein, daß man den Wuchs der Zwiebeln ja magisch beeinflussen kann. Ich weiß das aus der Praxis, da ich selbst an entsprechenden Experimenten teilgenommen habe; und bei mir funktioniert das sogar ganz besonders gut. Hab das nur nicht weiterentwickelt; kann ich aber immer noch nachholen. Das wirkt bei mir auch einfach so: erinnere mich, daß eine Vermieterin, bei der ich kurze Zeit in Untermiete wohnte, Zimmerpflanzen, die nicht richtig wachsen wollten, in mein Zimmer stellte. Sie meinte nämlich, meine Ausstrahlung würde die Pflanzen kräftigen. Das half tatsächlich, ohne daß ich bewusst irgendwas dazu beigetragen hätte. 
Aber man kann det ja auch bewusst weiterentwickeln; und warum nicht in Zusammenhang mit einer Zwiebeloper…
♦♦♦
Verwelkender Zwiebelguru
mit ihn überwuchernden Anhängern
(dem zur Rechten hat er grad einen Boxhieb versetzt)
♣♣♣
So isses

среда, 7 ноября 2018 г.

Vom Scheinen und vom Sein


Verstreute Anmerkungen zu obigem zufällig auf Facebook entdecktem Zitat

⧫⧫⧫

Ich nehme für mich nicht in Anspruch, mündig zu sein, und sehe mich keineswegs zur Unruhe verpflichtet. Aus realem Orientierungsbedürfnis ergibt sich ganz automatisch ganz reale Unruhe (durch die man, nebenbei sei es gesagt, für den sich als mündig betrachtenden realitätsfeindlichen braven Bürger zum schrulligen Außenseiter wird)
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Der Mensch von heute lebt mehr im Schaffen und Aufrechterhalten von Schein, von "Image", denn im realen Umgang mit der Realität. Wer auf Image bedacht ist und sowas liest, der zappelt halt herum als Tribut an das Image des "Mündigseins".
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Ich unterbreche die Stille nur, wenn es anders nicht geht. Eigentlich lebe ich sehr unruhig. Weil es sich so ergibt. Aber rein aus Prinzip, um des Eindrucks Willen, herumzappeln würde ich nicht auf mich nehmen. Wozu auch...
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"mündig" bedeutet "urteilsfähig". Kommt, glaub ich, vom Deutschen Wort "Mund": man ist in der Lage, stimmige Urteile auszusprechen. Also ein ernstzunehmender Mensch, der mitreden kann. Doch egal. Das Interessante an diesem Ausspruch ist das innewohnende unfreiwillige Bekenntnis zum Schein.
In diesem Zusammenhang geht es nicht um die genaue Bedeutung des Wortes "mündig", sondern, mehr allgemein: daß es sich um eine Eigenschaft handelt, die im Allgemeinen als positiv, als erstrebenswert gewertet wird. Und gesagt wird also, daß jemand, der Anspruch darauf erhebt, als mündig zu gelten, verpflichtet ist, unruhig zu sein. Das heißt, die Unruhe ergibt sich nicht organisch aus dem Erkenntnisdrang, aus dem Bedürfnis, sich zurechtzufinden, sondern aus dem Bedürfnis, dem Schein gerecht zu werden
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Sagen wir es mal so: Wenn du eine auf die Herde abgestimmte Show abziehst als „herdenfremder rastloser Sucher“, so hast du gute Chancen, daß die Herde dich mit deinem Gezappel ernst nimmt; und so du besonders eifrig herumzappelst, landest du vielleicht gar auf dem Olymp ihrer „Prominenz“. So du aber ganz real versuchst, dich zu orientieren und nach und nach herdenfremde Sicht- und Verhaltensweisen an den Tag legst, so biste einfach nur ein schrulliger unverständlicher Kauz.
 ***
So isses.
⧫⧫⧫

четверг, 26 июля 2018 г.

Über den Umgang mit Büchern

♣♣♣

Obige Graphik erblickte ich beim Überfliegen von Facebook.

Und ich gedachte meines eigenen Umgangs mit Büchern.

Selbige können, wie ich in jahrelangem Umgang mit ihnen lernen durfte, auf unterschiedlichste Weise Nutzen bringen oder interessant sein.

Unter anderem können sie ein effektives Fitness-Studio sein für den rechten Arm. Früher nämlich, als ich meine Emotionen noch schlechter unter Kontrolle hatte, da konnte es passieren, daß ich ein Buch, welches sich beim Lesen als ausgesprochen dumm herausstellte, vor Wut in die Ecke knallte.

Gut erinnere ich mich an den letzten Knaller. Ein antiquarisch erworbener Nietzsche-Band war das. Nicht Nietzsche selbst hat den Knaller verursacht; Nietzsche schätze ich sehr und les zur Auflockerung zwischendurch gerne in seinen Sachen; und wo ich nicht mit ihm einverstanden bin, bringt er mich trotzdem nicht in Wut.

Anlaß war ein langatmiger Vorspann. Welchen ich gar nicht gelesen hätte, wenn dessen Verfasser nicht auch mitten im Text (nicht etwa in Fußnoten, sondern, in Klammern und kursiv, mitten im Text) seine Kommentare hinterlassen hätte; offensichtlich für Leser, die es nicht schaffen, das alles ohne fremde Hilfe zu verstehen, und die trotzdem Nietzsche lesen, um gebildet zu sein und mitreden zu können. Und diese Kommentare waren so hanebüchen daneben, daß ich neugierig wurde, was der denn für einen Vorspann geschrieben hat.

Ich las etwas darin herum; bis es dann halt knallte. Da ich sehr kräftig bin zerfledderte das Buch beim Aufprall in zahllose Teilstücke.

Als ich das Buch dann so zerrissen in der Ecke liegen sah, da erfasste mich Mitleid mit dem so leichthin zerstörten Produkte menschlicher Tätigkeit. Aus den herumliegenden Teilen klaubte ich das Stück heraus mit jenem Vorspann, welches den Anstoß gegeben hatte zu geschildertem Zerstörungswerk, und schaute mir den Text noch einmal genauer an. Und siehe: der erwies sich von fürwahr erfrischender Komik; und hätte ich von Anfang an, statt mich zu ärgern, den Komik-Gesichtspunkt berücksichtigt, so wäre das Buch nun nicht kaputt.

Im Weiteren habe ich dann nie wieder ein Buch an die Wand geknallt.

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