четверг, 26 июня 2014 г.

Absurdologie oder die Rache des verwirrten Realisten

Loggiaspiegelungen-1

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Von Rußland sagt man, es sei nicht mit dem Verstand zu begreifen, sondern nur mit dem Herzen.

Mag sein.

Doch geht es mir jetzt nicht um Rußland, sondern um Europa, in dessen Gefilden ich aufgewachsen bin und wo ich staunend-ratlos so manches Jahr umherwanderte.

Europa ist, wie ich inzwischen verstehe, weder mit dem Verstand zu begreifen noch mit dem Herzen: das ist Absurdität pur.

So richtig deutlich wurde mir das Maß der Absurdität während der Rußland-Ukraine-Krise.

Doch egal.

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Schon als Kind hatte ich große Probleme, mich in meiner mir fremd bleibenden Umgebung zurechtzufinden. Hat man als Kind ja fast immer; besonders dann, wenn man keine rechte Hilfe hat, sich in diese komische Welt hineinzufinden.

Die Leute sagen das eine, meinen was anderes, und verstehen weder das, was sie sagen, noch das, was sie meinen.

Heute kann ich det so in einfachen, klaren Begriffen dahinschreiben. Als Kind konnte ich das nicht; da spürte ich nur, daß dem so ist.

Und mit diesem hilflosen Gespür, daß da hinten und vorne nix stimmt und alles verquer ist, wuchs ich auf.

Später bezeichnete ich die Weltanschauung, die meine Kindheit und frühe Jugend prägte, als "verwirrten Realismus" (‘Realismus’ im Sinne des Begriffsrealismus).

Rückblickend verstehe ich nämlich, wie ich eine gewisse instinktive Affinität hatte zu gedanklichem Zusammenhang, Sinn, Klarheit; und damit konnte ich inmitten dieses Wirrwarrs nun mal nicht viel anfangen.

Wodurch ich teilweise noch verwirrter wurde als meine Umgebung.

Als ich dann anfing, das Wirrwarr als solches deutlicher auszumachen und den Nebeln eine gewisse Klarheit entgegenzusetzen, und sogar das Wirrwarr und die nach und nach deutlicher werdende Absurdität in verrückten Erzählungen willkürlich auf die Spitze zu treiben – da bezeichnete ich intern, für mich selbst, das Verfassen solcher Erzählungen als "Rache des verwirrten Realisten".

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Als alles dann noch deutlicher wurde und griffiger und in mein Orientierungsbemühen sogar so etwas wie System hineinkam, bezeichnete ich dieses Orientierungsbemühen, welches sich von einem unbestimmten Gespür, 'daß irgendwas nicht stimmt' allmählich hinbewegt zu einem klaren Erfassen dessen, 'was nicht stimmt', als "Studium der Phänomenologie des geistig-seelischen Erstickens."

vchod_dUnd da ich mich mit diesem Studium der "Phänomenologie des geistig-seelischen Erstickens" so völlig alleine sah, dachte ich an die Schaffung einer Art Zeitschrift, welche eine Plattform hätte abgeben sollen für einen Austausch zu diesem Studium.

Zu einem solchen Austausch kam es nie; aber die Folgen dieser frommen Absichten sind heute als "Klamurke" online; wer will findet dort näheres.

In gewisser Hinsicht halt: Auseinandersetzung mit dem europäischen Geiste, den man weder mit dem Verstande begreifen kann noch mit dem Herzen .

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Die Absurdologie als Wissenschaft kam dank Facebook zustande. Der Sache nach existiert sie natürlich schon länger; als Mindestes so lange, seit es das Studium der Phänomenologie des geistig-seelischen Erstickens gibt.

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Wie jeder anständige Zeitgenosse mit Internetanschluß verfüge ich über ein Facebook-Konto. Jemand hatte mich, schon vor längerem, dortselbsthin eingeladen; ich benutze das seitdem als ausgelagertes Notizbuch, zum Gedankenaustausch, und gelegentlich auch zum Herumblödeln.

Doch egal.

Irgendwann fiel mir bei Facebook der Trend auf, daß unzähliges Volks vor ihren Namen die Bezeichnung "Autor" oder "Schriftsteller" oder sonstwas in der Richtung setzten.

Da wollte ich denn auch jemand sein; und da ich kein Schriftsteller bin, nannte ich mich "Absurdologe".

Also entstand, als Bezeichnung, die Absurdologie.

Dem Wesen nach gibt es sie, wie gesagt, schon länger.

Vor kurzem entfernte ich den Absurdologen wieder; was natürlich nicht bedeutet, daß ich damit aufhören würde, Absurdologe zu sein.

Absurdologe bin ich und bleib ich.

Als Etikett für ein fixiertes Berufsbild gibt es das ja zum Glück noch nicht; und auch an den Universitäten ist es, so weit ich weiß, noch nicht als Studienfach anerkannt, und man kann kein staatlich anerkanntes Diplom erwerben, welches einen als studierten Absurdologen ausweisen würde.

Vielleicht gibt es irgendwann mal den Dr.abs.; ja nu; dann muß ich mir halt wieder was Neues einfallen lassen.

Irgendeine Bezeichnung für ein reales Tun hat man leicht geschaffen; fixierte Namen für irreales oder nichtvorhandenes Tun zu benutzen überlassen wir gerne denjenigen, die es nötig haben.

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So isses.

Doppelnas

Nachtrag

Ein paar Ergänzungen, die während einer durch diese Veröffentlichung ausgelösten Unterhaltung zustandekamen

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Im eigentlichen Sinne "nachgedacht" hab ich als Kleinkind auch nicht; da spürte ich nur, daß irgendwas nicht stimmt.

Zunächst fand ich mich damit ab, daß die Unstimmigkeit ein normaler, integrer Bestandteil der Erwachsenenwelt und somit unseres Daseins ist (da für ein Kind die Erwachsenen ja immer Recht haben). Mit meiner inzwischen zum Glück entwickelten Fähigkeit, die Dinge gedanklich zu durchdringen, kann ich aber manches von dem, was ich damals empfand, rückblickend "auf den Begriff bringen".

Zum Beispiel gab es einen Fall, da meine Mutter verkündete, zum Mittagessen gebe es Kalbfleisch. Ich fragte nach: Kalbfleisch? Vom Schwein? – Das hat damals alle, die es hörten, sehr amüsiert, und noch lange geisterte diese meine Äußerung als geflügeltes Zitat unter meinen Verwandten herum. – Auch ich kann mich daran erinnern, und kann, mit meiner heutigen "Gedankensprache", auch darstellen, wo das herkam: Nämlich war ich in höchstem Maße von der Einsicht durchdrungen, daß Ungereimtheit ein integrer Bestandteil der Erwachsenenwelt ist; und da schien es mir völlig undenkbar, daß etwas, was man "Kalbfleisch" nennt, tatsächlich vom Kalb kommen könnte.

Flüchtige Ansätze hilfloser gedanklicher Reflexion kamen später; so ab zehn.

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Selbst bin ich eher antitheoretisch. Reine Theorie interessiert mich nicht nur nicht, sondern stößt mich ab; manchmal find ich sie auch bloß komisch. Bin nur bemüht, mich verstehend in die Realität einzuleben; und damit das so halbwegs funktioniert, mußte ich erst, zumindest bis zu einem gewissen Grad, das ganze Wirrwarr ordnen, mit dem ich aufgewachsen bin.

Hab halt eine bestimmte Art, die Realitäten, mit denen ich mich auseinandersetze (wieauch die Auseinandersetzung selbst), sprachlich zum Ausdruck zu bringen; und das mag manchmal theoretisch klingen, aber es ist nicht theoretisch gemeint. Einfach, wenn man so sagen will, Verbalisierung eines eminent praktischen Orientierungsbemühens.

Früher, als ich noch stärker in dem anerzogenen Wirrwarr drin steckte, konnte ich das auch nicht so, wie ich das jetzt kann. Solche Ansätze gedanklicher und sprachlicher Klarheit sind, glaub ich, nicht unbedingt eine "angeborene" Fähigkeit, sondern eher eine natürliche Begleiterscheinung innerer Befreiung.

"Intelligent" bin ich sicher nicht; eher dumm. Will auch gar nicht intelligent sein; was soll ich damit? Angeben? Interessiert mich nicht.

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(Siehe auch "Warum ich so dumm bin")

 

Caesar

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