Seit Monaten
bekomme ich massenweise Zuschriften, Facebook-Kontaktanfragen und Angebote der
verschiedensten Art. Darunter: Riesige Summen wollte man mir schenken, so ich –
wie man mir nach kurzer Korrespondenz mitteilte – im Voraus die im Vergleich
zur versprochenen Summe geringfügigen Verwaltungsgebühren überweise. War recht
leicht zu durchschauen. Aus Neugier und weil ich niemanden vor den Kopf stoßen
wollte (meist waren das irgendwelche, wie sie sagten, sterbenskranke Damen, die
nicht mehr lang zu Leben haben) und ein paarmal gar, weil es irgendwie
glaubwürdig klang, mit einem Anflug diffuser Hoffnung, es könnte stimmen, ließ
ich mich auf eine Korrespondenz ein. Und als restlos niemand mehr übrig war,
der oder die mein Mitgefühl hätte hervorrufen können und einen letzten Rest von
Glaubwürdig bewahrt hätte – machte ich weiter aufgrund einer gewissen Neugier: wie
Leute, die von Berufs wegen betrügen, das so machen.
Inzwischen hab
ich die Schnauze voll von meinen Expeditionen ins Scammerreich; vielleicht
schreib ich mal ausführlicher darüber. Aber nicht jetzt; es gibt auch anderes
zu tun.
***
Gestern erhielt
ich, nach längerer Pause, eine ungeduldige Zuschrift von einem dieser scammenden
„Anwälte“, dem ich vor einiger Zeit dargestellt hatte, daß und warum ich ihn
durchschaut habe.
Heute antwortete
ich ihm kurz entschlossen (meine im ersten Satz genannten Bedingungen lauten:
wer vor Ort die Gebühren bezahlt, dem überweise ich nach Erhalt der versprochenen
Spende das zwanzigfache der vorgestreckten Summe)
Meine Antwort an
den Herrn Anwalt:
Ein allerletztes
Mal: Falls Sie mir wirklich den genannten Betrag überweisen wollen, und wenn
jemand bereit ist, unter den von mir genannten Bedingungen allfällige Gebühren
vor Ort zu bezahlen, können wir in aller Freundschaft weitermachen.
Existiert die
Summe nicht und ist deswegen logischerweise niemand bereit, vor Ort die Gebühren
vorzustrecken, lassen Sie mich bitte in Ruhe.
- Inzwischen habe
ich das Scammer-Milieu etwas studiert; habe so manche Vorgehensweisen
kennengelernt. Viele betreiben ihre Aktivitäten unter geklauten Identitäten; unter
anderem hatte ich das Vergnügen, mit einem richtigen Rechtsanwalt zu
korrespondieren, dessen Identität massenweise von Pseudo-Rechtsanwälten
missbraucht wird. Und schon viermal hat man versucht, mein Facebook-Account zu
kapern; was aber für die Betreffenden mit Misserfolg endete. – Sollte ich
erfahren, dass meine Daten und meine Ausweis-Scans zum Schaffen von
Schein-Identitäten missbraucht werden, so würde ich unverzüglich Anzeige
erstatten. Unseren Schriftwechsel mitsamt Ihrer Nummer habe ich bereits
kopiert; möglich, dass ich dies oder jenes bei Veröffentlichungen mit
einbringe. Aber erst mal muss ich mich von meiner unfreiwilligen Expedition ins
Scammer-Reich erholen.
Sollte ich mich,
allen deutlichen Anzeichen zum Trotz, getäuscht haben, und sollten Sie es
ehrlich meinen, bitte ich um Entschuldigung. Für den Fall, dass ich richtig
gesehen habe, noch einmal in aller Deutlichkeit: Ich überweise im Voraus keinen
Cent, behalte mir vor, nach einer Ruhepause Auszüge aus unserem Schriftwechsel
in Veröffentlichungen einzubauen; und bitte Sie, mich in Ruhe zu lassen.

Sonstige
verstreute Veröffentlichungen zur Scammerei:
Zwei Abenteuer
aus der Zeit vor der großen Zuschriftenwelle:
So isses
(Am Anfang, in aller Kürze, zwei kuriose Momente, die nix mit Scammerei zu tun haben. An dritter Stelle, etwas
weiter unten, Brief an eine Meldestelle für Internetkriminalität zu kuriosem
Tatbestand)
Brief aneine Scammerin,
die nach interessantem Schriftwechsel plötzlich ihrer
beruflichen Verpflichtungen inne wurde